Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 19.4.1919
2-3 Kg. Reis u. auch Selchfleisch kaufen, das
sie schon gelegentlich abholen lassen würde;
d. h. wenn Du's gern u. leicht tust. Den Transport-
schein werde ich zu erhalten trachten. Wäsche
kaufe Dir, wenn Du sie brauchst, nur ein! Du
wirst ja ohnehin nichts kaufen, was nicht unbe-
dingt nötig ist. Den Köberlbrief bringe ich Dir
mit, wenn ich zu Dir komme. - Gestern sind
endlich meine 2 Melodramen aus Leipzig gekom-
men, sehr schön ausgestattet. Denke Dir,
der berühmte Tenor Jadlowker soll in Berlin
im „Kuhreigen“ den Primus singen. Er tut es
aber, wie man mir gestern schrieb, nur unter der
Bedingung, dass ich ihm am Schluss der Oper
noch eine dankbare Nummer mit hohen Bes
hineinkomponire!!! Ist das zu glauben?
Ich hoffe übrigens, das wird eine Einnahms-
quelle für mich werden. Sorge Dich nicht
wegen der Vermögensabgabe! Das trifft eben
Jeden. Millionäre müßen Millionen u.
in Budapest gar ihre Häuser, Güter u.
Schmuck hergeben, was wohl auch demnächst
in Deutsch=Oesterreich der Fall sein wird.
Du hast recht: ich werde mir in Graz Geld
beheben u. privatim (wenn auch ohne Zinsen!)
aufbewahren. - Dein Pensionsgeld schicke
ich Dir von Graz aus. Hat's noch ein paar
Tage Zeit? Dort ist meine Adresse: Gei-