Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 19.4.1919
dorfplatz 1, bei Dr. Stücker. - Ich muß Dir
heute noch eine Menge Erfreuliches mit-
teilen, was Dir die Ostern versüßen wird,
auch wenn ich nicht bei Dir bin; also:
Von der Kammermusik=Einnahme behal-
te ich mir einige Hunderter. In der Autoren-
gesellschaft, deren Generalversammlung
Anfang Mai ich als Vizepraesident mit-
machen muß, haben wir nun die Verträge
wegen der großen Musikerfürsorge fertig
gemacht, die der Gesellschaft höchst wahr-
scheinlich eine Jahreseinnahme von vier
Millionen einbringen wird statt der bisheri-
gen 400.000 Kronen. - Tante Bertha ließ mir
durch Dr. Panholzer schreiben, dass sie mir
die durch 3 Jahre ohne ihr Wissen nicht aus-
gefolgten Zinsen (etwa 540 Kronen) jetzt
zahlen werde. - Gestern kam wieder eine
‚Kuhreigen‘=Tantième (Wiener Aufführung)
von 350 Kronen. - Der letzte ‚Evangelimann‘
in der Volksoper war bis zum letzten Platz
ausverkauft (ich war nicht drinnen). -Eben
kommt Telegramm von Grevenberg, dass
man mich sicher zur Jubelaufführung des
„Evangelimann“ in Graz erwartet. - Heute
steht in der Zeitung in Wien (‚N.W. Tgbl.'), dass
5 Komponisten bei den großartigen Mai-
Festspielen ihre Opern dirigiren werden:
Rich Strauß, Weingartner, Korngold, Pfitzner