Kienzl, Wilhelm: Brief an Helene Kienzl. Graz, 24.3.1917
III zum Brief vom 24. u. 25.
März 1917
Als ich gestern Abends zu
Frl. Rauscher kam, um ihr als Ge-
gengabe für ihr Bild das mei-
nige in Goldrähmchen mit Widmung
zu übergeben, reichte sie mir Dei-
nen lieben Brief an sie zum Lesen -
Ich hätte aufjauchzen mögen. Aber
sie möchte am liebsten 2 Konzerte
in Wien, ein privates u. ein öffentliches
geben. Ich schraubte sie sofort auf
das private zurück u. meinte „vor-
läufig“. Man kann zu Großes doch
nicht riskieren. - Wenn ich nur end-
lich wüßte, wann der Gutheil-Duhan=
Liederabend in Wien ist!!
Jetzt (Nachmittag), nachdem ich 5 gran-
diose Paraphrasen von Liszt (über „Tannhäu-
ser=Ouverture, „Sommernachtstraum“, „Faust“
Walzer, „Rigoletto“ u. „Trovatore“) auf meinem
mir immer herrlicher erscheinenden
‚Bösendorfer‘ erdonnern habe lassen,
liegt Lili ruhig (u. elend aussehend)