Kosel, Hermann Clemens: Brief an Franz Karl Ginzkey. Wien, 17.11.1926
An meinem Waldmüllerroman, den ich der Mittelschicht, den noch
fleißigsten Lesern, widme, arbeite ich nun schon drei Jahre, abgesehen von
den Vorstudien, die weit zurück reichen. Ich hatte ihn beinahe fertig
als ich von Dr. Wurmb, dem Urenkel des Meisters eine ganz andere
Charakteristik von Waldmüllers Frau erhielt, die mit der Kunstge=
schichte auseinander läuft. Sie war keine Künstlernatur, sondern
eine fromme, sehr charakterfeste Frau, an deren Widerstand die
leichtsinnig begründete Ehe scheitern mußte, denn der Meister
war ein leichtfertiges, dabei tumultuarisches Wesen. Auf Grund
dieser Gegensätze schrieb ich den Roman noch einmal. Heuer ist
mir neuer Stoff zugeflossen und vor allem neue Ideen, so habe ich
jetzt das Ganze nocheinmal vollständig umgearbeitet und neuge=
schrieben. Sei ersehen daraus, daß ich keine Mühe sparte um einen
Altwiener, leichtfasslichen, den Klassizismus und das Biedermeier
erklärenden, dabei heiteren Roman zu schreiben, der sich an
das weitere Publikum unterhaltend und belehrend wendet.
Dieser Roman könnte die Verbreitung finden wie „Schwammerl“
von Bartsch. Ich glaube, auch psychologisch die Schwierigkeit
der Lebendigwerdung des Meisters und seiner Frau getroffen zu
haben, darum taufte ich das Buch: „Waldmüller und seine
Katharina.“ Ich glaube Ihnen, da Sie sich so liebenswürdig
für das Werk einsetzen wollen, diese Erklärung schuldig gewesen
zu sein, aus der Sie meinen Ernst und Fleiß zur Sache entnehmen.
Amalthea-Verlag (Dr. Studer) interessiert sich sehr für dieses Werk,
doch glaube ich, daß dieser Verlag ein volkstümliches Werk schwer
durchsetzen würde und ich zögere, mein Manuskript dahin zu
senden.