Lux, Joseph August: Brief an Richard von Kralik. o.O., 10.9.1931
mal ganz gegen meiner Gewohnheit mich aktiv dem Kreise anzuschliessen.Befremd-
licherweise aber erschien gerade diesmal kein wirkliches Referat.Kein Referat
einer Verbandesveranstaltung,sondern ein Bericht über eine Gesellschaft,die im
Hause des Alt-Präsidenten auch " anregende und sympathische Darbietungen "
zu hören bekamen, welche "die zahlreich Versammelten über die sonst gewöhnte
Frist in Spanung hielt". Und als seltsam gemischtes Menü wurden Namen aufge-
zählt schön durcheinander auch solche,die tatsächlich nicht zu Worte kamen,
weil einer der "volkstümlichen" Dichter dadurch versöhnt werden musste,dass
er nicht so sehr zur Wirkung kam,dass man ihn nocheinmal etwas lesen liess.
Ganz im Gesellschaftston,wo keiner mehr zur Geltung kommen darf,weil die höf-
lichen Hausleute niemenden der Geladenen beleidigen dürfen,wenn sich Einer zu-
rückgesetzt fühlt Und darum darf es über so eine private Gesellschaft kein rich=
tiges Referat geben, sondern es werden halt alle Namen genannt,in einem Auf-
waschen Das ist die Gleichmacherei der modernen Gesellschaft : den Wald nicht
aufforsten,sondern die Kronen gleichmässig stutzen,damit es schön grad wird!
Ich schätze gewiss auch die persönlichen Eindrücke gebildeter Menschen.
Auf Höflichkeitsphrasen im Salon für die man in der Oeffentlichkeit nicht ein=
steht aber verzichtet man in meinem Alter.
Für das grausame und kindische Spiel aus Eitelkeit in Gesellschaften um des
selbstverständlichen Applauses halber vorzutragen,habe ich weder Neigung,noch
aber Zeit.Und für solche Oberflächlichkieten,die für einen auch Gedichte schmie-
denden Studenten den Gipfel seines Ehrgeizes bilden,dürfte die Leitung eines
katholischen Schriftstellerverbandes nicht wirklich ernst schaffende,in der
jetzigen schweren Zeit hart ringende Dichter,die sich nicht selber aufdrängen,
von ihren Arbeiten weg mobilisieren und das von ihnen - im besten Glauben
für eine wertvolle Anerkennung Dargebotene nicht einfach durch Nennung des
Autorennamens neben den Versuchen eines nachfolgenden "Wollenden" bagatteli-
sieren,wo über vorhergehende junge Lyriker in wahren Dithyramben referiert
wurde. Die Leser dieser so auffallend differenzierenden Berichte müssen dem-
zufolge den bestimmten Eindruck gewinnen,dass dort,wo man es nicht der Mühe
wert findet,nur mit einigen Worten die "Darbietungen" zu kennzeichnen,natür-