Lux, Joseph August: Brief an Max von Millenkovich-Morold. Großgmain, 28.1.1918
gehört. Ich will es erst aus der Hand geben, wenn ich selbst
die Gewissheit habe, das Äusserste getan zu haben, wenngleich
es schon bei der Salzburger Lesung im Concertsaal die Feuer=
und „Kälte”probe bestanden hat. Es ist gewiss ein wertvolles
und eigenartiges Stück; bestes Altwiener Milieu, das den
Genius loci verkörpert und ausser den drei Grazien, den
etwas wetterlaunischen Fröhlichs auch den jungen Grillparzer
menschlich näherbringt, während man bisher immer nur
den alten Griesgram vor Augen hatte. Aber das Wichtigste an
der Sache ist wie immer das zweite geistige Stück, das
hinter den Personen und Scenen steht und durch diese hindurch=
wirkt als eine allmenschliche Angelegenheit von allgemeiner
dichterischer Bedeutung. Das Stück ist natürlich geboren
für eine intime Bühne. Es hat mich sehr interessiert,
dass Sie, verehrter Herr Hofrat, den Gedanken einer solchen
Bühne ins Auge fassen. Ich nehme diese Mitteilung
selbstverständlich als ganz vertraulich; das gestattet mir,
aus freien Stücken und uneigennütziger Liebe zur Sache, nicht
minder als aus persönlicher Wertschätzung und Verehrung
ein wenn auch ganz bescheidenes Schärflein zum Ideenbau
beizutragen. Ich habe mich nämlich in Gedanken schon viel
mit einer solchen Bühne beschäftigt und dachte immer an