Mader, Karl: Brief an Arthur Roessler. Fürstenfeld, 6.4.1919
Vorbehalt demselben zur Verfügung stellen. Denn zu Ihnen habe
ich Vertrauen, ich kenne Sie schon lange aus Ihren Aufsätzen,
ich weiß jetzt wie Sie sich Schiele's annahmen, wie Sie die
junge Kunst förderten. Wenn auch nicht augenblicklich, so möchte
ich doch in der nächsten Zeit, vielleicht in den nächsten Jahren,
wenn es halbwegs möglich ist, mich von meinen Pflichten hier
frei machen. Wenn mir meine Stellung hier auch kein glänzendes
Einkommen gewährt (ich bin seit kurzem in der 8. Rangskl.)
so kann ich es doch auch nicht ohne weiters fahren lassen.
Bin ich nach längerer Zeit dem Unternehmen zu Dank ver=
pflichtet, versteht es sich wohl von selbst, daß ich mit niemand
anderem in Verbindung treten werde.
Ich bitte um Verzeihung, daß ich Ihnen dieses formlose Schreiben
sende. Ich bin aber so müde, ich habe in Graz viel erlebt, mir ist
es so weh ums Herz, ich kann mich nicht recht konzentrieren.
Ich empfehle mich Ihnen, hochgeehrter Herr Rössler,
und bin jederzeit Ihr
ganz ergebenster
Karl Mader.
Die Abzüge von den beiden Platten hat der Verlag wohl schon
erhalten?