Madjera, Wolfgang: Brief an Max von Millenkovich-Morold. Wien, 1.2.1925
des Ideals zu sein, sondern ihm auch würdig
und mit schönen Kräften zu dienen - und man
wird dabei nicht nur von den Stammesgenossen
allein gelassen, sondern unter Umständen noch mit
vergifteten Pfeilen beschossen, weil es den einen
oder andern gelüstet, sich als überlegener Geist aufzuspielen
oder aus persönlichen Gründen sein Mütchen zu kühlen -
oder sich als Sittenwächter zu geberden, der ver=
hüten muß, daß sich einer etwa „zu viel einbilde”. -
Aber, verehrter Herr Hofrat, ich habe ja nicht
selbst einen Vortrag zu halten, sondern ich wollte
nur Ihnen die Anregung geben, den Ihren zu
erweitern, auszubauen und ihm jene Fortsetzung
zu schaffen, die unumgänglich nötig ist, wenn
seine Ausführungen fruchtbringend werden sollen.
Ich würde es freudig begrüßen, wenn bald
Gelegenheit sein sollte, sich daran zu erfreuen,
wie Sie mit Ihrer prächtigen Beredsamkeit
diesen Gegenstand zu lebendiger Wirkung gestal=
ten!
In aufrichtiger Hochschätzung
Ihr ergebener
Dr Wolfgang Madjera