Sklarek, Elisabet: Brief an Elise und Helene Richter. Berlin, 13.2.1916
er körperlich doch recht müde von der immerhin ungewohnten
Tätigkeit u. dieser täglichen mindestens 2 - 2½ stündigen Straßen=
bahnfahrerei mit 2 x igem Umsteigen u. dabei natürlich oft langem
Warten. Da kommt's mir immer wie ein Unrecht vor, wenn ich ihn
allein sitzen lasse, u. doch darf ich Mutter auch nicht ganz allein lassen.
- Doch einmal muß ja auch diese Zeit enden u. oft denke ich jetzt,
es wird doch einmal ganz plötzlich ein Ende da sein, schneller als wir
jetzt glauben. - Wie gern würde ich Elisens Vorträge hören! Über=
haupt, wie froh wäre ich, könnten wir wieder einmal beisammen
sein! Ich freue mich, daß Sie auch so begeistert von Friedr. d. Gr.
sind. Er ist Peters u. meine ganz besondere Liebe. Kennen Sie die
Kosersche Biographie? Die ist sehr schön. - Was Sie über Borchardt
schreiben, hat mich sehr interessiert. Gerade vor einigen Tagen hörte
ich von Fr. Plehn ein ganz ähnlich lautendes Urteil über ihn, freilich
auch nur aus 2. Hand, auch das über seine Unwahrhaftigkeit
Wie merkwürdig u. wie traurig ist es doch, daß gerade Leute, die sich vor
der Öffentlichkeit solch ein Apostelgewand anlegen, oft so durch u. durch
unwahr sind. Ich habe immer d. größte Mistrauen gegen dergleichen,
dachte aber oft schon, daß ich ungerecht urteile, weil ich in meiner Jugend
so schlechte Erfahrungen gemacht habe. Als ich etwa 17 Jahre war, wurde hier