Salten, Felix: Brief an Ernst Decsey. Wien, 20.4.1914
FELIX SALTEN
No 6
Wien, 20.April 1914
Verehrter Freund Decsey,
nun bleibt mir doch nichts anderes
übrig, als Sie mit der törichten Angelegenheit der Vorle-
sung zu beschweren und zu behelligen. Soeben erhalte ich
nämlich von Herrn Aigner den beigeschlossenen Brief. Sie
werden auf dem ersten Blick erkennen, dass hier - wenn
nichts Schlimmeres - mindestens ein fahrlässiger Irrtum
vorliegt. Dass die Kosten mit 100 Kronen limitiert wurden,
hat nur einen einzigen Zweck, der ja sogar aus der salop-
pen und ungeschickten Fassung des mir jetzt entgegengehal-
tenen Sitzungsprotokolls unzweideutig hervorgeht. Der
Verein übernimmt (wörtlich) "Kosten und Risiko". Nirgends
ein Wort davon, dass ich das Risiko auch nur zu einem
Teil mit zu übernehmen hätte ! Ganz zweifellos sind die
Kosten nur deshalb mit 100 Kronen begrenzt worden, damit
ich bei der Verteilung desjenigen Betrages, der mein
fixiertes Honorar übersteigt, nicht durch eine willkürli-
che Kostenberechnung plötzlich dazu genötigt werden kann,
[mit Bleistift:] 473163/H GB