Schlechta, Franz von: Brief an Franz von Schober. o.O., 2.5.1814
Solcher Wirkungskreis ward uns nicht, hier verdor=
ren die schönsten Blüthen im Keim unter den
barbarischen Händen, ein leuchtender Engel
steht Öhlinger unter ihnen mit dem reinen kind=
lichen Sinn dem guten sanften Blick! - Ver=
zeih mir Theurer, daß ich immer mehr liebe, als
wirke, erst wendet den leuchtenden Edelstein
tausendmal der Knabe umher, den er fand, bis
er ihn nützen lernt; doch fühl' ich es Freund,
dß ich viel gewann seit Deiner Trennung an rei=
nerem Herzen und auch in litter. Hinsicht, mit
Kraft fühle ich, aber wirken wie ich fühle, es
auszusprechen das Ideal in mir vermag ich noch
nicht, wie tief empfand ich's wie Ottenwalt
in seinem Briefe an J. Spaun, die Erinnerung zur
Thätigkeit mit den Worten sch[l]oß: ”Was müssen
„wir jetzt thun? Sieh der Gedanke, soll er nicht
„eigentlich aufschreken aus lässiger Ruhe? ein
„ernster Dämon soll er stets uns begleiten,
„mahnend, warnend strafend, uns dem Ziele zu
„nähern. Wir fassen das Große der Zeit, freuen
„uns dessen mit Stolz: dürfen die Trophäen teut=
„scher Kraft und teutschen Geistes uns ruhiger
„lassen, als die bei Marathon den ehrgeitzigen
„Themistokles? - Wie schön! wie wahr, der
Abglanz seiner göttlichen Seele! -
Dein Verhältniß mit Jungmaÿr freut mich, dß
die zarte Blume unter Deinem Schutze gedeihe! -
aber seinen warnenden Engel im heimathlichen Thale