Fleischer, Max: Brief an Franz Karl Ginzkey. Wien, 30.11.1926
schriften kennen. Um das Bekanntsein, den äusseren
Erfolg handelt sich´s mir nicht sehr als um das
Schaffen selbst, das ich auf ein Minimum meines
Lebens zusammendrängen muss. Sie, wie kaum ein ande-
rer, dürften mich verstehen, da doch in einem ihrer
Gedichte die unvergängliche Zeile steht :
"Ist das Lied nicht alles und der Wandrer
nichts ?"
Das Lied, um es symbolisch für Schaffen
zu nehmen, das Lied, das als reines, von dem, der
es fand und sang, losgelöstes Geistiges auch mein
ganzer Lebensinhalt ist, ist das Um und Auf meiner
eigentlichen Misere. In diesen paar Wochen einer
schweren Krankheit hab ichs besonders herzensnah ge-
spürt, wie viele Keime, die sich entfalten und Frucht
werden wollen, verdorren müssen. Als ich glaubte,dass
ich nur noch wenige Tage zu leben habe, gieng ich
an die Ordnung meiner Manuscripte und hab aus Gedich-
ten von 1896 -- 1926 einen Band zusammen gestellt und
mich recht innig gefreut, eine wirkliche Lebensernte
vorzufinden, deren innere Linie sich naturnotwendig