Franzos, Ottilie: Brief an Julius Pée. Wien, 11.1.1922
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Buch bekannter, so hätte es das Folgende verhindert: Nach
dem "Umsturz" haben Czechen in Prag die wunderschöne Marien=
säule demoliert, weil sie sie für das Wahrzeichen der Schlacht
am Weissen Berge hielten - sie war aber das zur
Erinnerung an die Vertreibung der Schweden. Die
Säule ist sicher wieder aufgerichtet worden!
Ihr Brief vom 7/12. Meiner Hände Arbeit. Lieber Herr Professor, ich habe gar
keinen Grund, um ein Hehl aus meinen pecuniaren Ver-
hältnissen zu machen. Wie ich schon schrieb, hatte ich weder Mitgift
noch Erbteil - Im Laufe der Jahre von 2 Onkeln 20.000
Kronen, zehn zu meines Mannes Lebzeiten, 10 nach
seinem Tode. Daß mein Mann trotzdem noch in seinen
letzten Tagen, wo die Hemmung für aussprechen seiner
Gedanken verloren gegangen war, sagte: "Es
war ein Glück für mich, daß ich das vornehme
Mädchen aus der vornehmen Familie geheiratet habe",
steht, glaub´ ich in den Notizen, die Sie dort haben. Er
sagte auch: "Ich habe Dich aus glühender Liebe, aus
flammendem Idealismus geheiratet. Ich habe so gut
für Dich gesorgt, als ich konnte." Er hat sein ganzes Le-
ben hart um das tägliche Brot gearbeitet, denn seine
Bücher hatten keinen Auflagenrecord. Seit 1895 war
er Leiter der "Concordia" Deutsche Verlagsanstalt Gesellschaft m. b. H.,
die gegründet worden war, um ihm den Kampf zu er-
leichtern. Er selbst war auch mit einer Einlage von 10 T.
Mark beteiligt. Er war aber kein Geschäftsmann -
viel zu ängstlich und vorsichtig. Als nach seinem Tode
die "Concordia" an einen Herrn Ehbock - im Krieg ge-
fallen - verkauft und die Gesellschaft liquidiert wurde,
war etwa ein Drittel des Kapitals von 150 tausend
Mark verloren. Ein Teil der Gesellschafter legte mir
ihren Anteil "zu Füßen". Ich sträubte mich anfangs
sehr, denn ich hätte bescheiden auch ohne das leben
können, von ungefähr 60 tausend Mark, die mein