Franzos, Ottilie: Brief an Julius Pée. Wien, 11.1.1922
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Mann hinterließ, meine 10 T. Kr. inbegriffen, einer Pen-
sion von 1200 Kronen, des Wiener Schriftsteller-Vereins,
in den mein Mann mich eingekauft hatte und 15 hundert
Mark Pension der "G. d. Freunde" in Berlin, deren Mit-
glied mein Mann auch war. Meines Mannes Bücher
gingen nicht mit an Ehbock über, ich wollte durchaus
eine alte Firma, sondern zu meiner großen Freude -
die es bis heute geblieben ist und es bleiben möge! -
an Cotta. Nach jährlicher Abrechnung habe ich einen
Prozentsatz von den verkauften Exemplaren zu erhal-
ten, aber erst von neuaufgelegten, nicht von denen,
die Cotta der "Concordia" bezahlt hatte. Um meine
eigenen Bücher kümmerte ich mich damals nicht.
Sie interessierten mich nach dem Tod meines Man-
nes gar nicht. Reichsanleihe und öst: Rente, ein
paar tausend Mark in d. D. Bank in Berlin und Cotta.
Natürlich machen die deutschen Mark nun viel mehr
aus, die "G. d. Fr." hat auch die Pension erhöht, aber
die 10 t. Kronen, von denen ich früher gelebt habe, sehr gut,
denken Sie vor dem Krieg 10 t frcs. für eine einzelne
Frau, reichen nun nicht einmal auf den wöchentlichen
Laib Brot zu 316 Kronen, geschweige denn zum halben
dazu, den ich für meine verheiratete Magd zu bezahlen
habe. So sind die von Ihnen verachteten Puppen
für mich ein Segen. Ich mache sie aber auch gerne,
daß ich etwas zu liefern habe, ist eine Anregung
für mich und sie beschäftigen die Phantasie doch
mehr als stopfen und flicken. Glauben Sie mir,
lieber Herr Professor, in den glühenden Wochen des
letzten Sommers waren sie mir eine liebe
Gesellschaft. Die Literatur hat mich ganz im Stich gelassen,
seit Monaten habe ich eine kleine Geschichte bei der
"N. Fr. Presse" liegen und werde sie sicher zurückbe-
kommen. Ich bin ja auch schon im 66., da ist natur=
gemäß mein winziges geistiges Fünkchen
erloschen. Daß Ihr gütiges Urteil über die
"Mauer" mich unendlich erfreut hat, was sollte