Franzos, Ottilie: Brief an Julius Pée. Wien, 24.2.1924
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Diesem Brief liegt ein Autographenzettel von K. E. F. bei:
Reuss Eduard, Theologe. [h., L.] a. s. 21. 10. 77. 3p 8n /Mittheilun=
gen über Georg Büchner.)
Wie wenig leicht es war, etwas über Minna Jägle
zu erfahren, geht wohl aus diesem Brief hervor !!!
Mein verehrter Freund, Herr Prof. Pée sagt: „Sicher hat
K. E. F. nun an die Brüder Stoeber geschrieben, wo sind
deren Antworten?”
28/2 Und nun zu Ihrem l. Brief vom 17. Februar. Wie Sie lebe
ich diesen Winter ganz zurückgezogen. In Theater, Conzert, Vorle-
sung oder derartiges gehe ich ja seit vielen Jahren nicht. Nicht
nur der Unerschwinglichkeit wegen, sondern weil ich mich so sehr
vor vielen Menschen in einem Raum scheue. In diesem Jahr freilich
scheue ich auch die Taktlosigkeit und Ungüte der einzelnen. Und
dann Weg u. Steg in Wien ist nun seit mehr als 10 Wochen derartig,
daß ich meistens am Stock dahintappe u. trotzdem heute vor 8
Tagen so gestürzt bin, daß ich ohne Hülfe kaum wieder aufstehen
hätte können. So war ich nun 8 Tage ganz zu Hause, doch stei-
gert der Mangel an Luft meine nervöse Herzunruhe. Aber -
„auch dieses wird vorübergehen.”
Tschudi gehört dem ältesten Adelsgeschlecht der Schweiz an. S.
Meyer Konversationslexikon. Daß ich noch Briefe von ihm fin-
de, glaube ich kaum. Die „Gouvernanten u. Gespielen”-Angele-
genheit ist wohl mündlich verhandelt worden. Lüning ist noch
nicht aufgetaucht.
Ihr Brot ist 7 M. so teuer - unseres hat 46 Heller gekostet und
kostet jetzt 7000 Kronen ist also 15.117 Mal teurer. Natürlich ist da
kein Vergleich anzustellen, denn wir sind ja die Besiegten. Alles,
was Sie mir von Ihrer Mutter erzählen, mutet mich so unendlich
an! Wie soll man aber nicht Allen, die vor diesem unsägli-
chen Krieg davongegangen sind, den ewigen Frieden gönnen -
wenn nicht beneiden!
Mit Caroline Schlegel muß ich bis nächste Woche warten, da
die Verkäuferin momentan verreist ist. Ich nehme die Ausgabe
aber nur, wenn sie sich in gutem Zustand befindet.
Von Liliencrons Leben weiß ich gar nichts. Briefe an meinen
Mann sind da.
Ich habe nun die Jugenderinnerungen von Selma Lagerlöf
gelesen. Ich glaube sie sind sehr unbedeutend, nahmen mich
aber doch ganz gefangen. Ich halte sie für den größten
lebenden Schriftsteller - trotz Gerhardt Hauptmann, den mein
Mann „das Genie der Zeit” nannte. Anatole France, der wohl
um diesen Ruhm mitkonkurriert, ist für mich ein Buch
mit 7 Siegeln.
Für den wollenen Rock danke ich tausendmal, möchte
mich aber nicht so verweichlichen. Für die erhaltenen Gaben