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deren Bub eine Art Patenkind von mir ist, Grünes vom Schneeberg,
auch die Bubenmama brachte mir neulich einen Strauß. Ich pflege
Blumen mit viel Liebe, aber in der Hitze halten sie ja nicht lange.
Möge bei Ihnen alles blühen, wachsen und gedeihen! - Rudolf
habe ich neulich wieder mit Marken von Ihnen sehr beglückt,
auch mit einem kleinen Teil der Postkarten, die er
au fur et à mesure bekommt. Die Duplicate können wir
auch gut gebrauchen.
Engel: Von dem uns zu früh entrissenen Karl Emil Franzos (1848 - 1904)
aus Czortkow in Galizien wird mindestens ein Roman noch
lange nach seinem Tode unter den bleibenden Werken un-
serer erzählenden Dichtkunst stehen: Ein Kampf um's Recht (1882)
(war 80 in der N. Fr. Presse OF) Aber auch in jeder Geschichte der deut=
schen Novelle wird er als einer ihrer Meister fortleben. Franzos
war der geborene Geschichtenerzähler, in der Erfindung uner=
schöpflich, mit scharfem Blick für die verwendbaren Novellen=
stoffe, die das Leben bietet, und mit einer von wenigen Neu-
eren übertroffenen oder erreichten Sicherheit in der Form.
Er hat sich wiederholt mit dem Verfasser darüber ausgesprochen,
wie wenig unmittelbar geeignete Erzählungsstoffe die Wirklich=
keit bietet. Nur durch die umbildende Schöpfung des erzählenden
Künstlers entsteht das feine Kunstwerk, Novelle genannt. Wohl hat
Franzos aus seiner podolischen Heimat eine Menge sogenannter
Novellenstoffe mitgebracht; was aber wäre aus ihnen geworden
ohne seine umgestaltende Meisterhand! Den berühmt gewordenen
„Falken“, den Heyse in seiner Einleitung zum „Deutschen Novellen-
schatz“ für unentbehrlich erklärt, weist jede Novelle von Franzos auf.
Die Zeit ist aber schon jetzt gekommen (1908), wo eine Auswahl seiner
besten Erzählungen notwendig ist, um die bleibende Bedeutung
dieses großen Novellisten zu sichern, die sonst Schaden leiden wird
an einer gewissen Eintönigkeit der Stoffe: er hat gar zu oft aus
dem Leben der Juden in den östlichen Gefilden Europa's, also aus
„Halb-Asien“ geschöpft. (? OF). Das zur modischen Literaturphrasenma-
cherei jetzt unentbehrliche „Milieu“ war als Sache für Franzos
etwas ganz Selbstverständliches. Wenn einst, wie inbrünstig zu wün=
schen, die halbasiatische Unkultur verschwunden ist, wird sie in
Franzos' Erzählungen, in den Sammlungen Halb-Asien, Die Juden v.
Barnow, V. Don z. Donau und in seinen Romanen Moschko v.
Parma und Der Pojaz (aus dem Nachlaß) wieder künstlerisch auf-
leben. Schon heute aber steht fest: Kein zweiter Dichter deutscher Spra=
che
hat gleich Franzos die Poesie jenes halb= oder ganzbarbarischen
deren Bub eine Art Patenkind von mir ist, Grünes vom Schneeberg,
auch die Bubenmama brachte mir neulich einen Strauß. Ich pflege
Blumen mit viel Liebe, aber in der Hitze halten sie ja nicht lange.
Möge bei Ihnen alles blühen, wachsen und gedeihen! - Rudolf
habe ich neulich wieder mit Marken von Ihnen sehr beglückt,
auch mit einem kleinen Teil der Postkarten, die er
au fur et à mesure bekommt. Die Duplicate können wir
auch gut gebrauchen.
Engel: Von dem uns zu früh entrissenen Karl Emil Franzos (1848 - 1904)
aus Czortkow in Galizien wird mindestens ein Roman noch
lange nach seinem Tode unter den bleibenden Werken un-
serer erzählenden Dichtkunst stehen: Ein Kampf um's Recht (1882)
(war 80 in der N. Fr. Presse OF) Aber auch in jeder Geschichte der deut=
schen Novelle wird er als einer ihrer Meister fortleben. Franzos
war der geborene Geschichtenerzähler, in der Erfindung uner=
schöpflich, mit scharfem Blick für die verwendbaren Novellen=
stoffe, die das Leben bietet, und mit einer von wenigen Neu-
eren übertroffenen oder erreichten Sicherheit in der Form.
Er hat sich wiederholt mit dem Verfasser darüber ausgesprochen,
wie wenig unmittelbar geeignete Erzählungsstoffe die Wirklich=
keit bietet. Nur durch die umbildende Schöpfung des erzählenden
Künstlers entsteht das feine Kunstwerk, Novelle genannt. Wohl hat
Franzos aus seiner podolischen Heimat eine Menge sogenannter
Novellenstoffe mitgebracht; was aber wäre aus ihnen geworden
ohne seine umgestaltende Meisterhand! Den berühmt gewordenen
„Falken“, den Heyse in seiner Einleitung zum „Deutschen Novellen-
schatz“ für unentbehrlich erklärt, weist jede Novelle von Franzos auf.
Die Zeit ist aber schon jetzt gekommen (1908), wo eine Auswahl seiner
besten Erzählungen notwendig ist, um die bleibende Bedeutung
dieses großen Novellisten zu sichern, die sonst Schaden leiden wird
an einer gewissen Eintönigkeit der Stoffe: er hat gar zu oft aus
dem Leben der Juden in den östlichen Gefilden Europa's, also aus
„Halb-Asien“ geschöpft. (? OF). Das zur modischen Literaturphrasenma-
cherei jetzt unentbehrliche „Milieu“ war als Sache für Franzos
etwas ganz Selbstverständliches. Wenn einst, wie inbrünstig zu wün=
schen, die halbasiatische Unkultur verschwunden ist, wird sie in
Franzos' Erzählungen, in den Sammlungen Halb-Asien, Die Juden v.
Barnow, V. Don z. Donau und in seinen Romanen Moschko v.
Parma und Der Pojaz (aus dem Nachlaß) wieder künstlerisch auf-
leben. Schon heute aber steht fest: Kein zweiter Dichter deutscher Spra=
che
hat gleich Franzos die Poesie jenes halb= oder ganzbarbarischen