Franzos, Ottilie: Brief an Julius Pée. Wien, 25.1.1923
Wohnungszins 109.450 Kronen für das nächste Vierteljahr ge-
zahlt statt 490 Kr im Frieden. Davon trägt meine Schwester
vorläufig die Hälfte, doch führt sie Prozeß um Rückerhalt
ihrer eigenen Wohnung, die sie möbliert vermietet hat
und für die die Leute vierteljährig viertausend Kro-
nen bezahlen. Ich will Ihnen endlich bekennen, daß eine
Trennung für uns Beide eine große Wohltat wäre,
wir passen gar nicht zusammen. Von Streit ist natür-
lich keine Rede, auf den ginge ich nie ein, aber viel-
leicht käme ich doch noch zu etwas Behagen und
Heiterkeit. In 1. Instanz ist der Prozeß gewonnen,
aber nur wenn die 2. dasselbe Urteil fällt, ist er er-
ledigt, sonst geht er noch an die 3. Im Falle einer Tren-
nung würde der Mann der Perle, den Beitrag, den jetzt
meine Schwester leistet, übernehmen oder ich würde
ein Zimmer vermieten. Es ist sehr traurig mit
seiner einzigen Schwester zu keiner Harmonie
kommen zu können. Daß wir wieder zusammen
gezogen sind, wir hatten es schon einmal versucht,
war mein naiver Glaube, daß die 7 dazwischen
liegenden Jahre etwas geändert hätten. Wenn Sie
uns Beide persönlich kannten, würden Sie Alles
verstehen. Nach Allem vorhin Gesagten, bitte ich Sie
nun recht sehr, dessen eingedenk zu sein, daß Ihr
Geldgeschenk nicht mehr, vorläufig wenigstens &
wie schon gesagt: Gott behüte eine Änderung!, nicht
wie bisher Notwendigem gilt, sondern mir Extra=
Ausgaben ermöglicht. Ich bin so übermütig gewor=
den, daß ich davon träume, nach drei Wiener Som-
mern in diesem auf 14 Tage in's Grüne zu
gehen. Daß Ihnen meine irgendwie zu erübri-
gende Zeit ohne Entgelt gehört, hoffe ich nicht aus-
sprechen zu müssen, Alle Anregung der letzten
1 ½ Jahre verdanke ich ausschließlich Ihnen!
Brockhaus hat geantwortet, daß Marggraff
seinerzeit 6 Thaler = 18 Mark (Gold) gekostet hat, Tittmann
12 Neugroschen [1 Th.=30 Gr.). Ich denke also, daß Ihr Schlüs-
sel doch der richtige sein wird. Silbermann und
was ich von Franzos mir noch senden lassen
kann, dazu gerechnet, erlaube ich mir vorzuschla-
gen, mir für Frau G. 19-20 francs zu senden.
[links:]
Geiger ist am 9. 2. 19. gestorben. Biographisches existiert nicht. Přibram hat nicht ge-
antwortet, doch wende ich mich an Baronin Schey-Rappaport.