Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. Pola, 18.8.1916
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Frei herumfliegende Papageien be=
grüßten uns wie alte Bekannte, Vö=
gelchen badeten unter dem kleinen
Springbrunnen, Kolibris schwirrten
von Blumenkelch zu Blumenkelch,
bunte Falter schwelgten in ihrem
Element. Im dichten Schatten eines
ins Breite gezogenen Mango-Bau=
mes, bedeckt mit gelb-rosa Früchten,
weideten wir unsere Sinne an die=
ser duftigen Zauberwelt u. ließen
uns erzählen, wie ein findiger Deu=
tscher sich vor 10 - 12 Jahren den Ablauf
der neuhergestellten Wasserleitung
kontraktlich gesichert u. seither das
Paradies geschaffen hat. Wie frucht=
bar der vulkanische Sandboden der
Wüste ist, die sich Hunderte von Meilen
längs der regenlosen Küste erstreckt,
ist bekannt. Millionen von Pflanzen=
samen schlummern im Sand, bis nach
2 - 3 Jahren, manchmal aber auch
2 mal im Jahre, ein Regen sie
zum Leben erweckt. Rasch keimen,
sprießen, Blätter treiben, blühen,
ist das Werk von 2 - 3 Wochen. Der
Wüstenboden wird im Nu mit Grün
bedeckt, schon blüht es auf in allen Far=
ben, in 2 - 3 Wochen ist alles wieder
verdorrt, aber das Ziel erreicht: neu=
e Samenkeime sind ausgestreut u.
harren geduldig der Wiederbelebung.