Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. Pola, 5.11.1916 - 9.11.1916
Oder sollte mein altes Herz auf einmal jene
Fähigkeit erlangt haben, die Lord Byron seinen
Helden schon mit 20 Jahren, nach der ersten
Herzenskrise, verlieren läßt?
No more, no more, oh never more, my heart,
Thou shalt be my sole world, my universe,
Which out of all the lovely things we see
Extracts emotions beautiful and new.
Es fehlen dazwischen noch zwei Zeilen mit den
Reimen „bee” u. „dew”, die mir nicht einfallen.
Wie die Biene aus allerlei Blumen (für
andere unsichtbaren) Honig zieht, so das jun=
ge Herz, bevor es seine Illusionen verloren.
Woher kam aber mir auf einmal die=
se Gabe zu sehen, u. die Kraft zu fühlen?
Haben Sie sie mir das erstemal schon
gleich mitgebracht?
Tom, mit Heureka-Miene: „Vielleicht, viel=
leicht -- weil wir nie einen Rausch ge=
habt, bekommen wir nun schon beim An=
blick des Weins gleich Delirium tremens.”-
8.XI. Heute war ein trauriger Tag. Noch 2 Ta=
ge muß ich nach meiner Rechnung, wenig=
stens, auf einen Brief warten!
Nachmittag war ich 1 ½ Stunden am Land,
Leichenbegängnis von L. Sch. Lt. Klasing
u. 2 anderen Offizieren, die mitfliegend
verunglückt sind. Die 3 waren verschie=
dener Religion. Die Einsegnung des
Katholiken dauerte 5 Minuten, die pro=
testantische 15, die griechische mit Singen
u. Grabesrede 40 Minuten. Unmittel=
bar vorher erfuhr ich, daß der deutsche
Oberlt. z. S. Palis mit seinem U-Boot im Schwar=
zen Meer verunglückt ist. Palis?
ein junger Offizier ohne Haarwuchs,
aber lieb, unbeschreiblich lieb, sanft u.