Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. o.O., 21.9.1916 - 23.9.1916
2)
die Züge aus dem Gleichgewicht kamen
u. ungleich ermüdet sind. Auch der Aus=
druck der Augen sagt mir jetzt viel
mehr. Noch lieblicher ist mir nun das
Bild, noch häufiger muß ich es betrachten,
u. wie fliegt mein Herz ihm jedesmal zu!
22. Sept. Während ich heute Vormittag oben=
stehende Zeilen schrieb, kam Ihr Brief!
Schon beim Anblick Ihrer lieben Schriftzüge
u. des größeren Formats, von dem Tom,
als Sie auf Deck wandelnd, ganz achter,
davon sprachen, nicht zu glauben, hoffen
wagte, daß es Ihnen wirklich ganz
ernst damit ist, u. schon gar von Wien
u. dazu so bald nach dem ersten Brief! -
verflog alle Bangigkeit u. machte
einem Glücksgefühl Platz, das nur
noch durch den Inhalt gesteigert wer=
den konnte. Immer mehr überzeuge
ich mich, daß das holde Wunder, das meine
schwärmerische Verehrung, nach der
Natur idealisierend, als Huldigung
für die Fee, die mir den schönsten Tag seit
vielen Jahren gebracht, u. zur Erinnerung
daran komponiert habe, nicht nur nicht
an der Wirklichkeit zerschellt, wie Sie
es von Idealbildern glauben, sondern
von der Wirklichkeit immer mehr Rea=
lität erhält u. immer mehr mit neuen
Perlen, mit ungeahntem Reiz geschmückt
wird. Es ist eben ein Wunder, das ich auch
zum erstenmale erlebe.
Aus tiefster Seele danke ich Ihnen für das