Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. o.O., 21.9.1916 - 23.9.1916
rührende Gebet. Wie gerne hätte ich an
Ihrer Seite gebetet! Dank für das Wunder,
Sonne u. Frohsinn für die heavensent Freun=
din u. den Vers von Heine:
Mir ist's, als ob ich die Hände
Auf's Haupt Dir legen sollt',
Betend, daß Gott Dich erhalte
So gut und rein und hold!
Der leidvolle Zug in meinem Bild, der Ihr
gütiges Herz leider schmerzlich berührte,
ist nicht seelischer, sondern physischer Natur.
Die Aufnahme erfolgte 3 Wochen nach mei=
ner Magendarmoperation, gleich nach
dem Verlassen des Sanatoriums Fürth u.
vor dem Abgang ins Sanatorium Semme=
ring, 7.VII.1913. Ich durfte noch nicht Stiegen
steigen u. hatte bei unvorsichtigen Bewe=
gungen große Schmerzen, wollte aber die=
sem Wundermann Dr. Eiselsberg, der aus
mir einen neuen Menschen gemacht, dessen
Bild als Erinnerung hinterlassen. Ich war
cca 10 kg unter meinem Gewicht, das Minus
mag auch im Gesicht bemerkbar sein. Einen
Monat später kletterte ich mit meiner Frau
u. den Söhnen angeseilt in den Dolomiten
herum. Es war, wie ich Ihnen erzählt, die
glücklichste Zeit für mich, seit Jahren zurück
u. bis Sie mir erschienen.
23.IX. Ihre freundschaftliche Ahnung trog also dies=
mal. Wohl hatte mein Leben auch seine bit=
teren Friedhöfe, aber es waren wirkliche
Friedhöfe. Während meiner ersten Weltum=
seglung starb mein 2. Sohn Walter, ich erfuhr
es erst Monate später. Heimgekehrt fand
ich an seiner Stelle den einjährigen Leo.
Sah meine Mutter ganz gesund wieder,
3 Tage später war sie tot, aber zugleich
Frau u. Leo schwerkrank, ich nicht viel besser.