Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. Pola, 14.12.1916
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Ach wenn Sie da an seiner Stelle wären!
Beim U-Boot sagt SE. dem K.: „O, ich komme oft nach
Pola, alle 4 - 5 Wochen.“ Ich bin starr! Oft! 4 - 5 Wochen!
Da hört sich alles auf! Zwischen den letzten Besuchen
verstrichen doch jedesmal 7 Wochen, u. bis zum
nächsten werden es 11 - 12 Wochen sein. Voraus=
gesetzt, daß sie willkommen u. ce que femme
veut, Dieu veut. Ich halte SE. gleich darauf, aber
nicht vor dem K., diese unerhörte Übertreibung
vor, aber SE. macht sich nichts daraus u. läßt den
K. in dem Glauben! Aber für die Zukunft will ich
diese 4 - 5 Wochen festhalten; ob es mir helfen wird?
Als ich sehe, daß SE. mit dem K. davonfährt, kommt
die erste Ernüchterung über mich, der sich nicht
einmal Tom verschließen kann. Wenn Sie mit=
gekommen wären? Da wären Sie jetzt allein
auf „Lacroma“! Sie haben also doch nicht ganz un=
recht gehabt, nicht mitzukommen! Eigenlich gar
nicht unrecht, sondern sogar ganz recht, mit Ihren
leicht begreiflichen Gründen, die Tom wie bitterer
Hohn klangen! In die madness des Tom mischte sich
nun immer mehr Scham. Scham u. Reue. War
es ihrer Intuition wirklich so ganz leicht begreif=
lich, was sein Genie so gar nicht einsehen konnte?
Hm! Und er hatte ihr Qual gewünscht! Und nur Hohn
gesehen! Aber es ist ja noch soviel anderes! Ende
Jänner! Und die eigene Ohnmacht, die immer sein
wird! Davon konnte doch Tom noch eine zweite Nacht
seine madness nähren, stark gemischt mit Scham, Reue u. Sehnen,
ach Sehnen!