Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. Pola, 14.12.1916
18.XII. Langsam fand dann Tom seine freundschaftlichen
Empfindungen wieder. Ihre Briefe lasen sich
nun ganz anders, lieb, wunderlieb, fast so wie
vor dem Zusammenbruch. Was alles Briefe
lesen u. ruhiges Überdenken nicht vermochte,
brachte ein kurzer lieber Traum in der
dritten Nacht zustande, der erste, den ich von
Ihnen hatte. Wir saßen am Strand in Lissa
Sie im Sommerkleid, u. sagten uns Du, wor=
über ich zuerst erstaunt war; dann biß
ich mich aber in die Lippe, als ich sah, daß mei=
ne Frau, die auf einmal da war, das Du=
sagen gehört hatte. Sie sah uns aber ganz
natürlich, gar nicht befremdet, an u. ging
weiter. Die wenigen lieben Worte, die
wir einander gesagt, blieben mir beim
Aufwachen in ganz frischer Erinnerung,
Ihr Anblick erfüllte lange, lange meine
Vorstellung mit beseligender Lebenstreue.
Weg waren all die häßlichen Gespenster
der madness! So sind Sie also doch gekom=
men!
Von der madness ist nun nichts übrig ge=
blieben, als die schmerzliche Entsagung pro
Dezember, das bange Sehnen nach Jänner
u. eine tiefe Unzufriedenheit mit mir
selbst. Wird nächstens bei einem so gerin=
gen Anstoß der labile Bau von Vertrauen,