schnittlicher Theaterdirektor. Ich fühlte deutlich, wie der „Be-
trieb“ ihm schadete. Nach dem ersten Misserfolg hatte er seinen
Dramaturgen bei den „führenden“ berliner Theaterkritikern her-
umschicken wollen, um diesen die Absichten der „Truppe“ zu er-
läutern – als ob erfüllte Absichten einer Erläuterung bedürften und un-
erfüllte durch Erläuterung irgendeinen Wert erhielten –, und ich hatte
Mühe gehabt, den vortrefflichen Heinrich Fischer von diesem peinlichen
Schritt abzubringen. Aber noch unangenehmer berührte mich jetzt,
daß ein Mann wie Viertel Iherings Kritiken, die ich Wort für
Wort unterschreiben mußte, sich nicht anders als durch ein Kom-
plott dieses unanfechtbar und unerschütterlich sachlichen Kritikers
mit Kortner erklären zu können behauptete, daß er Ihering, den
er früher als ein Glück für das Theater bezeichnet hatte, jetzt, wo der ihn
ungünstig kritisierte, als ein Unglück bezeichnete – statt sich zu fra-
gen, ob nicht am Ende seine Arbeit diese ungünstigen Kritiken verdiente.
Damals, in der ersten Hälfte des Oktober, bat ich Sie, herzukom-
men, um Viertel zu „helfen“. Jetzt sehe ich, daß Sie missverstanden
haben, worin Sie ihm helfen sollten. Freilich war ohne Kommentar
gar nicht zu verstehen, daß ich die gründliche Hilfe meinte, die es be-
deutet hätte, Viertel wieder aufzurichten, indem man ihm zum
Berufswechsel oder doch zum Wechsel innerhalb des Berufs über-
redete. Ob Sie mir beigepflichtet hätten, war ein Ding für sich. Aber
dem niedergebrochenen Viertel, bildete ich mir ein, hätte damals eine
Aussprache mit Ihnen die Situation erleichtert. Diese Situation war
der Art, daß wiederum zu mir der tief beunruhigte Herr Münz
kam – dem ich das Selbe sagte wie seinem, Ihrem und meinem Freunde
Viertel, und leider genau so vergeblich.
Die dritte Aufführung – Georg Kaisers „Nebeneinander“ – hätte ich endlich
stärker gelobt, „wenn sich Viertel darüber klargeworden wäre, daß
diese fünfzehn Bilder ein Prestissimo wie des Einzel=, so des Gesamtablaufs
nötig“ haben, und dieses Prestissimo nicht durch „vierzehn stimmungmor-
dende Pausen“ in ein Lentissimo verwandelt hätte. Übrigens hatte ich nach
jener Unterredung nichts mehr von ihm gehört und habe ihn auch bis heute
nicht wiedergesehen.
trieb“ ihm schadete. Nach dem ersten Misserfolg hatte er seinen
Dramaturgen bei den „führenden“ berliner Theaterkritikern her-
umschicken wollen, um diesen die Absichten der „Truppe“ zu er-
läutern – als ob erfüllte Absichten einer Erläuterung bedürften und un-
erfüllte durch Erläuterung irgendeinen Wert erhielten –, und ich hatte
Mühe gehabt, den vortrefflichen Heinrich Fischer von diesem peinlichen
Schritt abzubringen. Aber noch unangenehmer berührte mich jetzt,
daß ein Mann wie Viertel Iherings Kritiken, die ich Wort für
Wort unterschreiben mußte, sich nicht anders als durch ein Kom-
plott dieses unanfechtbar und unerschütterlich sachlichen Kritikers
mit Kortner erklären zu können behauptete, daß er Ihering, den
er früher als ein Glück für das Theater bezeichnet hatte, jetzt, wo der ihn
ungünstig kritisierte, als ein Unglück bezeichnete – statt sich zu fra-
gen, ob nicht am Ende seine Arbeit diese ungünstigen Kritiken verdiente.
Damals, in der ersten Hälfte des Oktober, bat ich Sie, herzukom-
men, um Viertel zu „helfen“. Jetzt sehe ich, daß Sie missverstanden
haben, worin Sie ihm helfen sollten. Freilich war ohne Kommentar
gar nicht zu verstehen, daß ich die gründliche Hilfe meinte, die es be-
deutet hätte, Viertel wieder aufzurichten, indem man ihm zum
Berufswechsel oder doch zum Wechsel innerhalb des Berufs über-
redete. Ob Sie mir beigepflichtet hätten, war ein Ding für sich. Aber
dem niedergebrochenen Viertel, bildete ich mir ein, hätte damals eine
Aussprache mit Ihnen die Situation erleichtert. Diese Situation war
der Art, daß wiederum zu mir der tief beunruhigte Herr Münz
kam – dem ich das Selbe sagte wie seinem, Ihrem und meinem Freunde
Viertel, und leider genau so vergeblich.
Die dritte Aufführung – Georg Kaisers „Nebeneinander“ – hätte ich endlich
stärker gelobt, „wenn sich Viertel darüber klargeworden wäre, daß
diese fünfzehn Bilder ein Prestissimo wie des Einzel=, so des Gesamtablaufs
nötig“ haben, und dieses Prestissimo nicht durch „vierzehn stimmungmor-
dende Pausen“ in ein Lentissimo verwandelt hätte. Übrigens hatte ich nach
jener Unterredung nichts mehr von ihm gehört und habe ihn auch bis heute
nicht wiedergesehen.