Bartsch, Rudolf Hans: Brief an ... Artaria. Baden, Wien, 14.4.1916
Führung zu verbergen wußten. Noch im
letzten Augenblick war das russisch=rumänische
Oberkommando im Zweifel, von welcher An=
griffsfront her die größte und unmittelbarste
Gefahr drohe, nach welcher Seite hin die be=
deutsamsten Abwehrmaßnahmen zu treffen
seien. Der Zarenfeldherr hatte sich in
die Idee eines übermächtigen Südstoßes
durch die Dobrudscha mit Wiedergewin=
nung der Eisenbahnlinie Constantza=Cerna=
voda festgerannt. Ihm galt die Unüber=
windlichkeit des Defensivwalles der sieben=
bürgischen Grenzkämme vom Bodzagebirge
bis zum Bulkanpaß und der Cerna als Dogma,
und auf diese angeblich absolute Sicherung der
Walachei baute er seine Pläne gegen
Mackensen. Ward doch nach den sieben=
bürgischen Katastrophen der Rumänen durch
die Ententeberichterstattung immer von neuem
verkündet, an den uneinnehmbaren walachi=
schen Gebirgsbefestigungen sei jeder weitere
Vorstoß der Verbündeten zu endgültigem Still=
stand gekommen.
Als Falkenhayns Armee in die West=
walachei eingedrungen war, wurde von maß=
gebender Stelle auf Feindesseite die
schleunigste Verteidigung der Altlinie um
jeden Preis als Losung ausgegeben. Aber
dem Willen der russisch=rumänischen Kriegs=
leitung kam Mackensens Tat zuvor. Der
Dobrudschaflügel dieses bewährten Schlachten=
lenkers erweist sich gegen alle Sacharowschen
Griffe als gefeit. Im Westen seines
Zentrums an der ruhmvollen Donaulinie
aber überschritt der linke Flügel bei
Sistovo den Strom und flankiert dadurch am
Nordufer die in Aussicht genommene Altfluß=
front des Gegners, die übrigens auch durch
das weitere Vordringen Falkenhayns schon
erledigt wurde.
Vor schwerwiegende Entschlußfassung sieht
sich nun die alliierte Führung gestellt, denn
gleich dringliche Vorkehrungen sowohl gegen
Falkenhayn wie gegen Mackensen erheischt
die Lage. Als dieser Feldherr im Vormonat
einer Defensivlinie in nächster Nähe der Haupt=
stadt zwingen.
Nach welchem Rezept die Gegner ihren
bedenklich gewordenen Zustand kurieren
wollen, mag den Verbündeten gleichgültig sein.
Die Armeen der siegreichen Mittelmächte sind
tief ins Innere Rumäniens gedrungen, und
wie bisher in der Dobrudscha, in den sieben=
bürgischen Karpathen, in der Walachei und an
der Donau, so wird der Vierbund auch im
Herzen des Verräterstaates sich den Ost=
alliierten überlegen zeigen. Seeliger.
Der Uebergang bei Sistovo.
Sofia, 25. November. (Privattele=
gramm.) Nachdem der breite Karpathen=
wall, welcher Rumänien an der Nordseite
deckt, von den tapferen österreichisch=unga=
rischen und deutschen Truppen überstiegen
wurde, ist nun auch der tiefe Graben,
welcher es im Süden schützt, überschritten.
Mit wohlüberlegter Strategie wartete die
Heeresleitung, bis die verbündeten Truppen