Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 8.4.1919
mir bereits, u. ich las darin flüchtig. Ich bin
zwar als „alter Mann”, als „Greis” bezeichnet, aber
sehr gut geschildert u. liebe= u. ehrfurchtsvoll
behandelt. Wenn ich komme, bringe ich das Buch
mit. - Hier sproßt u. blüht schon Alles; herrli-
che Sonne belebt alles; kein Wind, keine Kälte.
Du wirst auch schon viel im Freien sein können,
denke ich. Ida ist ja sehr lieb u. einsichtsvoll,
dass sie den Pensionspreis nicht erhöht hat.
In anderen Pensionen, z. B. in Wien, Semmering
beträgt die Pension pro Person 100 Kr (!), in
Graz 70-80 u. s. w. Da muß man noch froh
sein in Gmunden!
Dass Helmut lebt, bereitet mir eine unbe-
schreibliche Freude, da ich die ganze Sorge u.
den ganzen Elternschmerz Mariannens u.
Hermann's ermessen konnte. Mir sag-
te es Ernstl Fritsch bei meiner letzten
Kammermusik, u. ich telegrafierte so-
gleich eine Freudendepesche an Randl u. Hermann.
Hast Du gratuliert? Sie scheinen es zu-
erst Rena mitgeteilt zu haben. Es wird
doch wahr sein, hoffe ich! Macht Dich
das Glück Deiner guten Schwester nicht glück-
lich? - Nun noch Einiges über die letzten
Tage! - Die Probst schrieb mir flehent-
lich, dass sie außerstande sei, die mir noch schul-
digen 110 Kronen zu zahlen u. bittet um gnädi-
gen Nachlass der Schuld. Was will ich machen?
Ich kann sie nicht pfänden lassen! -
Mittwoch 1. April hatte ich Autorengesellschafts-
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