Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 8.4.1919
II zum Brief vom 8. April 1919.
Sitzung. Donnerstag 3. April war die Sängerin
Frl. Schlesak u. die Harfenkünstlerin Frl.
Mick bei mir wegen Auswahl meiner Kompo-
sitionen für das Wiener Neustädter Konzert.
Nmtgs. war ich bei Gottinger, die von mir Szenen
aus Heilmar‘ u. „Don Quixote” in Gretls Opern=
Schule=Abend aufführen will, um mich mit
ihnen zu beraten. Dann beim steinreichen
Dr. Tafler u. Frau zu einer großen Teejause, an der
etwa 80 Personen teilnahmen u. die lediglich
eine Ehrung, eine Art Feier für mich bedeutete.
Es schloss sich ein Haus=Konzert an, bei dem fast
nur Werke von mir vorgeführt wurden. 2 Sän-
gerinnen sangen Lieder von mir (darunter mit großer
Wirkung welche aus meinem neuesten Hefte), eine
ausgezeichnete Tänzerin tanzte in herrlichem,
von Maler Bayros entworfenen Kostüm [die]
Menuett aus dem ‚Kuhreigen’ u. in slawischem Kostüm einen wilden
Tanz von Rubinstein. Zuletzt spielte ich,
gleichsam zum Dank, eigene Klavierstücke.
Freitag u. Samstag hatte ich den ganzen Tag
Proben bei mir mit 10 Künstlern für meine
Kammermusik, für den Urania=Kienzl=Abend
u. das Wiener Neustädter Konzert, wobei ich mich
recht plagte (am Samstag probte ich 8-9 Stunden!)
aber mit Erfolg. Die Gottinger u. Gretl waren auch dabei.
Du hättest Deine Freude an der Begeisterung der
Künstler gehabt. Freitag speiste ich zu Hause,