Zweig, Stefan: Brief an Richard von Schaukal. Wien, 13.5.1914
SZ
VIII. KOCHGASSE
WIEN,
gleichzeitig ein Stück crystallisierten Sprach
geistes unseres Jahrhunderts. Und da ich
die Essenz aller deutschen lyrischen Melo-
die, die Synthese der sprachlichen Errungen
schaft unserer Zeit gerne ganz geben
möchte, würde ich Ihr Fernebleiben um
dieser Gemeinsamkeit willen doppelt
bedauern. Es soll, wie ich's mir denke,
ein repräsentatives Werk sein und ich
gebe Ihnen willig zu, dass Ihr Fernebleiben
demonstrativ wirken würde. Ich werde
in diesem Falle nicht zögern, im Nach-
wort mein Bedauern zu sagen, dass Sie
und George uns fehlen : ein Gedicht
von Ihnen wird (ich scheue mich nicht, es
Ihnen zu verraten) überdies doch in
einem nachgestellten Aufsatz von mir