7.
gerin gehaltener vor unserem Wegzug von Wien. - In den Werken
meines Mannes werden sie finden, daß er Jesus Christus
den "größten Menschen" nannte, "der je über diese arme Erde
gewandelt ist." Ich habe mich, nach meines Mannes Heim-
gang sehr mit dem Gedanken einer Vereinigung
des freisinnigen Judentums mit dem freisinnigen
Christentum beschäftigt. Wir sind ja in der Lehre Christus´
erzogen, seine Moralsätze sind auch uns die höchsten,
wie viele sind übrigens aus dem Alten Testament
herübergenommen? Im "Vater Unser" ist nicht ein
Wort, das wir nicht beten könnten und daß ich
, ich will es Ihnen bekennen, nicht unzählige
Male gebetet hätte. Wäre ich jünger und energi-
scher und kenntnißreicher gewesen, ich hätte das
zu meiner Lebensaufgabe als Vereinsamte gemacht.
Im vergangenen Sommer hatte ich den Besuch des
Oberrabiners von Louisville. Einer seiner intimen
Freunde ist dort der protestantische Pfarrer, der bei ihm
in der Synagoge zuweilen predigt wie er selbst in
der Kirche. Ich weiß gut, daß die Brücke zum Katholi-
zismus schwerer zu bauen wäre. Ich glaube aber
nach Ihrem Interesse für meinen Mann und sein
Werk, nach Ihrer Güte gegen mich, annehmen zu
dürfen, daß, wenn Sie auch meine Ansichten
nicht teilen, mir doch deren Aussprache nicht übel neh-
men.
Und nun, lieber Herr Professor, lege ich mit vielen
Grüßen auch für die "Sammlerin" Ihren Brief vom
30/11. zu den Akten und den meinen für heute beiseite,
um zu meinem Wirtschaftsbuch und ähnlich wenig
Erfreulichem überzugehen.
Nur schnell sage ich noch: zu Weihnacht erhielt die Witwe Pfaff von
Ihnen Sardinen, die sie sich wünschte. Doch ist dies die letzte Gabe
an sie - sie & ihre Tochter beziehen nun für das Leben, das
sie sich eingerichtet haben, genügende Pensionen & die Tochter
gerin gehaltener vor unserem Wegzug von Wien. - In den Werken
meines Mannes werden sie finden, daß er Jesus Christus
den "größten Menschen" nannte, "der je über diese arme Erde
gewandelt ist." Ich habe mich, nach meines Mannes Heim-
gang sehr mit dem Gedanken einer Vereinigung
des freisinnigen Judentums mit dem freisinnigen
Christentum beschäftigt. Wir sind ja in der Lehre Christus´
erzogen, seine Moralsätze sind auch uns die höchsten,
wie viele sind übrigens aus dem Alten Testament
herübergenommen? Im "Vater Unser" ist nicht ein
Wort, das wir nicht beten könnten und daß ich
, ich will es Ihnen bekennen, nicht unzählige
Male gebetet hätte. Wäre ich jünger und energi-
scher und kenntnißreicher gewesen, ich hätte das
zu meiner Lebensaufgabe als Vereinsamte gemacht.
Im vergangenen Sommer hatte ich den Besuch des
Oberrabiners von Louisville. Einer seiner intimen
Freunde ist dort der protestantische Pfarrer, der bei ihm
in der Synagoge zuweilen predigt wie er selbst in
der Kirche. Ich weiß gut, daß die Brücke zum Katholi-
zismus schwerer zu bauen wäre. Ich glaube aber
nach Ihrem Interesse für meinen Mann und sein
Werk, nach Ihrer Güte gegen mich, annehmen zu
dürfen, daß, wenn Sie auch meine Ansichten
nicht teilen, mir doch deren Aussprache nicht übel neh-
men.
Und nun, lieber Herr Professor, lege ich mit vielen
Grüßen auch für die "Sammlerin" Ihren Brief vom
30/11. zu den Akten und den meinen für heute beiseite,
um zu meinem Wirtschaftsbuch und ähnlich wenig
Erfreulichem überzugehen.
Nur schnell sage ich noch: zu Weihnacht erhielt die Witwe Pfaff von
Ihnen Sardinen, die sie sich wünschte. Doch ist dies die letzte Gabe
an sie - sie & ihre Tochter beziehen nun für das Leben, das
sie sich eingerichtet haben, genügende Pensionen & die Tochter