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"revanchierte"! sich mit etwas Mehl, was natürlich Weiteres
verbietet. Frau Pfaff bleibt im Greisenasyl, die Tochter, Frau
Prof. Cermak /Witwe/ macht weiter alles für 6 Personen, sie hat
Mieter, einen Sohn, eine erwerbende Tochter und einen
Enkel in der Wohnung selbst. 300 Kronen erhielt ein
brustkranker Briefträger mit 5 Kindern. Der Rest
bleibt nun für die Bücherbesorgungen.
Noch das: meine schon erwähnte katholische Freundin, die große
Wiener Sammlerin ist mit meiner dargelegten religiösen
Vereinigungsansichten ganz einverstanden.
14/1 Noch zu "Schönerer". "Deutsche Worte" war damals verboten, weil
das Lied gewissermaßen zum Parteilied gemacht worden war.
Deutschgesinnte im Mischstaat mit den ewigen Nationalitä-
tenkämpfen waren natürlich die alten Österreicher deut=
scher Nationalität auch, den Anschluß an das "Reich" wie
hier vom Deutschen gesagt wird, haben sie damals nicht
gewollt. Die Schönererpartei natürlich auch nur
den der deutschen Teile der "Monarchie", wie hier von
Österreich=Ungarn stets gesagt und gedruckt wurde.
Wie Sie, geehrter Herr Professor aus meines Mannes
Schriften ersehen, war sein Standpunkt bezüglich
der Nationalität der Juden: "Ein deutscher Jude ist
ein Deutscher, ein französischer Jude ein Franzose u.s.w."
- Hier fällt mir Joseph Winter ein, der hier vor wenigen
Jahren als Stabsarzt gestorben ist. Ein Band hervorragend
schöner lyrischer Gedichte, im Gegensatz zu Zuckermann
ganz unjüdische, beglaubigt seine Begabung. Seine
wohl ersten veröffentlichten finden Sie im "Dichter-
buch aus Öst." Ludwig Doczy† sein Lustspiel "Der Kuß"
hatte größten Lustspielerfolg.
Zu Weilen bemerke ich noch, dß wir auch heute in
Österreich die Civilehe noch nicht haben, nur die Notcivilehe,
d. h. wenn die Kirche sich zu trauen weigert, nur dann
traut der Staat. Der Katholik muß aber aus der Kirche
austreten, um sich civil mit einer Jüdin, oder umgekehrt,
vom Bürgermeister trauen zu lassen. Freilich nimmt
ihn die Kirche tags darauf wieder auf. Ehen zwischen
"revanchierte"! sich mit etwas Mehl, was natürlich Weiteres
verbietet. Frau Pfaff bleibt im Greisenasyl, die Tochter, Frau
Prof. Cermak /Witwe/ macht weiter alles für 6 Personen, sie hat
Mieter, einen Sohn, eine erwerbende Tochter und einen
Enkel in der Wohnung selbst. 300 Kronen erhielt ein
brustkranker Briefträger mit 5 Kindern. Der Rest
bleibt nun für die Bücherbesorgungen.
Noch das: meine schon erwähnte katholische Freundin, die große
Wiener Sammlerin ist mit meiner dargelegten religiösen
Vereinigungsansichten ganz einverstanden.
14/1 Noch zu "Schönerer". "Deutsche Worte" war damals verboten, weil
das Lied gewissermaßen zum Parteilied gemacht worden war.
Deutschgesinnte im Mischstaat mit den ewigen Nationalitä-
tenkämpfen waren natürlich die alten Österreicher deut=
scher Nationalität auch, den Anschluß an das "Reich" wie
hier vom Deutschen gesagt wird, haben sie damals nicht
gewollt. Die Schönererpartei natürlich auch nur
den der deutschen Teile der "Monarchie", wie hier von
Österreich=Ungarn stets gesagt und gedruckt wurde.
Wie Sie, geehrter Herr Professor aus meines Mannes
Schriften ersehen, war sein Standpunkt bezüglich
der Nationalität der Juden: "Ein deutscher Jude ist
ein Deutscher, ein französischer Jude ein Franzose u.s.w."
- Hier fällt mir Joseph Winter ein, der hier vor wenigen
Jahren als Stabsarzt gestorben ist. Ein Band hervorragend
schöner lyrischer Gedichte, im Gegensatz zu Zuckermann
ganz unjüdische, beglaubigt seine Begabung. Seine
wohl ersten veröffentlichten finden Sie im "Dichter-
buch aus Öst." Ludwig Doczy† sein Lustspiel "Der Kuß"
hatte größten Lustspielerfolg.
Zu Weilen bemerke ich noch, dß wir auch heute in
Österreich die Civilehe noch nicht haben, nur die Notcivilehe,
d. h. wenn die Kirche sich zu trauen weigert, nur dann
traut der Staat. Der Katholik muß aber aus der Kirche
austreten, um sich civil mit einer Jüdin, oder umgekehrt,
vom Bürgermeister trauen zu lassen. Freilich nimmt
ihn die Kirche tags darauf wieder auf. Ehen zwischen