Pessimismus haben während meiner
ganzen Jugend eine große Anziehung
auf mein Denken ausgeübt; aber nicht,
als ob ich dazu bekehrt worden wäre, son=
dern, weil sie meiner schon an u. für
sich sehr schwach ausgeprägten Lebenslust
entsprachen. Denken Sie nur: genau
vor 50 Jahren hatte ich meinen ersten u.
letzten Rausch! Räusche anderer Art
überhaupt nie. Ich kenne niemand in
der Marine, der so solid gelebt hätte,
wie ich; nicht aus Tugendprinzipien,
sondern weil allerlei Vergnügungen
für mich keinen Reiz hatten, sosehr ich
auch den Reiz für Andere begreifen
konnte. Sie mögen Austern nicht; für
mich gibt es nichts Delikateres; dennoch
ist es mir seit 3 Jahren nie eingefallen,
mir welche von Cherso holen zu lassen.
In Wien brachte ich öfters für Otto ge=
bratene Maroni nach Hause. Einmal
schaute Leo dem Schmause Otto's aufmerk=
sam zu u. fragte ganz ernst, fast melan=
cholisch: „Maroni müssen eigentlich etwas
sehr Gutes sein; schade, daß sie mir nicht
schmecken!”- Er hatte nur einmal eine gekostet.
Vielleicht habe ich auch ähnliche Seufzer aus=
gestoßen, auch ohne überhaupt gekostet zu
haben. Werden Sie auf dieses beschämende
Geständnis hin nicht Ihre Tagebuchnotiz
vom „ganzen Mann” streichen?
Die „Flucht vor dem Leide” durch Lebensver=
neinung ist in meinen Augen Unnatur
u. kulturwidrig; Schopenhauer aber, so gern
ich ihn auch gelesen, war ein finger-post,
der den Leuten den Weg weist, selbst
ganzen Jugend eine große Anziehung
auf mein Denken ausgeübt; aber nicht,
als ob ich dazu bekehrt worden wäre, son=
dern, weil sie meiner schon an u. für
sich sehr schwach ausgeprägten Lebenslust
entsprachen. Denken Sie nur: genau
vor 50 Jahren hatte ich meinen ersten u.
letzten Rausch! Räusche anderer Art
überhaupt nie. Ich kenne niemand in
der Marine, der so solid gelebt hätte,
wie ich; nicht aus Tugendprinzipien,
sondern weil allerlei Vergnügungen
für mich keinen Reiz hatten, sosehr ich
auch den Reiz für Andere begreifen
konnte. Sie mögen Austern nicht; für
mich gibt es nichts Delikateres; dennoch
ist es mir seit 3 Jahren nie eingefallen,
mir welche von Cherso holen zu lassen.
In Wien brachte ich öfters für Otto ge=
bratene Maroni nach Hause. Einmal
schaute Leo dem Schmause Otto's aufmerk=
sam zu u. fragte ganz ernst, fast melan=
cholisch: „Maroni müssen eigentlich etwas
sehr Gutes sein; schade, daß sie mir nicht
schmecken!”- Er hatte nur einmal eine gekostet.
Vielleicht habe ich auch ähnliche Seufzer aus=
gestoßen, auch ohne überhaupt gekostet zu
haben. Werden Sie auf dieses beschämende
Geständnis hin nicht Ihre Tagebuchnotiz
vom „ganzen Mann” streichen?
Die „Flucht vor dem Leide” durch Lebensver=
neinung ist in meinen Augen Unnatur
u. kulturwidrig; Schopenhauer aber, so gern
ich ihn auch gelesen, war ein finger-post,
der den Leuten den Weg weist, selbst